Wissenschaftspreis der DZG

Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille 2014 geht an die Neurobiologin Charlotte Helfrich-Förster.

Die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille ist der bedeutendste Wissenschaftspreis der Zoologie im deutschsprachigen Raum. Er wird alle zwei Jahre von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) für herausragende wissenschaftliche Lebenswerke verliehen, die mehrere biologische Disziplinen integrieren und von breiter Bedeutung sind. Der Preis ist mit 10 000,- € dotiert, gestiftet vom Inter-Research Wissenschaftsverlag, Oldendorf / Luhe und dessen Inhaber, Prof. Dr. Dr. h.c. Otto Kinne. Der Preis wird in diesem Jahr zum 17. Mal verliehen, er geht an die Neurobiologin Charlotte Helfrich-Förster aus Würzburg.

Prof. Dr. Charlotte Helfrich-Förster

Universität Würzburg
Biozentrum
Lehrstuhl für Neurobiologie und Genetik


Frau Helfrich-Förster begann ihre wissenschaftliche Laufbahn mit dem Studium an den Universitäten Stuttgart und Tübingen. Inspiriert von ihrem Mentor Wolfgang Engelmann wurde die Chronobiologie bereits zum zentralen Thema ihrer Diplom- und Doktorarbeit (1985). Trotz mehrjähriger Auszeit zugunsten ihrer Familie gelang es ihr, nicht nur Kontakt zur Wissenschaft zu halten, sondern auch allen Widrigkeiten zum Trotz wieder in der Wissenschaft Fuß zu fassen. Wegbereiter waren mehrere Stipendien (Wiedereinstiegs-stipendium aus dem Hochschulsonderprogramm ll, Forschungsstipendium der DFG, Margarete-von-Wrangell-Habilitationsstipendium des Landes Baden-Württemberg), bis sie sich im Jahr 2000 im Fach Zoologie an der Universität Tübingen habilitierte. Gleich im Anschluss übernahm sie zunächst eine Vertretungsprofessur in Regensburg, die aufgrund ihrer herausragenden Arbeiten in eine dauerhafte C3-Professur umgewandelt wurde (2001-2009). 2009 folgte der Ruf auf den Lehrstuhl für Neurobiologie und Genetik am Biozentrum der Universität Würzburg. 2012 setzte sie dort mit der Etablierung eines DFG-Sonderforschungsbereiches „Insect timing: mechanisms, plasticity and interactions“ einen neuen Schwerpunkt in der lnsektenneurobiologie-Forschung.

Frau Prof. Dr. Helfrich-Förster erhält den Preis für ihre herausragenden Arbeiten zur Chronobiologie. Innere Uhren kontrollieren den Zeitablauf vieler wiederkehrender biologischer Prozesse. Wie Innere Uhren auf molekularer und neuronaler Ebene tages-rhythmische Prozesse steuern, untersuchte sie hauptsächlich bei Tieren, insbesondere der Taufliege Drosophila melanogaster. Sie fand, dass im Gehirn von Insekten ein Netzwerk aus einer Vielzahl von Uhrneuronen circadiane Oszillationen erzeugt, die mit dem Tag- Nachtrhythmus in der Außenwelt abgestimmt werden, und rhythmisches Verhalten steuern. Die bahnbrechende Entdeckung war, dass das neuronale Uhrnetzwerk im Fliegengehirn nicht nur nachgewiesen und neurochemisch charakterisiert wurde, sondern auch in verschiedene Uhrneurone mit spezifischer Funktion zerlegt werden konnte. Zwar kommunizieren die einzelnen Uhrneurone miteinander, sie kontrollieren aber trotzdem unterschiedliche Verhaltenskomponenten. Eine Gruppe von Uhrneuronen im Gehirn der Taufliege steuert beispielsweise die morgendliche Aktivitätsphase (Morgen-Oszillator), während eine andere die abendliche Aktivität (Abend-Oszillator) der Tiere steuert. Zusätzlich unterscheiden sich Morgen- und Abendoszillatorzellen in ihrer Reaktion auf Licht, das als wichtigster Zeitgeber der Umwelt die Innere Uhr auf den 24-Stunden Tag synchronisiert. Durch die unterschiedliche Reaktion der Morgen- und Abend-Oszillatoren auf Licht können sich die Schlaf / Wachrhythmen an die Jahreszeiten anpassen, d.h. im Frühling und Herbst rücken Morgen- und Abendaktivität der Fliege nah zusammen, während sie im Sommer durch eine lange Siesta getrennt sind. Die Ergebnisse, die beim Modellorganismus Drosophila melanogaster gewonnen wurden, scheinen allgemein für alle Tiere zu gelten.

Für ihre wissenschaftlichen Leistungen erhielt Frau Prof. Dr. Helfrich-Förster bereits mehrere Auszeichnungen: 1986 Attempto-Preis für Neurobiologische Forschung der Universität Tübingen; 2003 ,,Aschoffs Ruler" Pokal; 2005 Aschoff-Honma Preis für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Biologischen Rhythmusforschung, 2011 J. Ariens-Kappers-Medaille der European Biological Rhythms Society. Ihre erfolgreiche wissenschaftliche Laufbahn zeugt von großer Zielstrebigkeit, Selbstdisziplin und Leidenschaft für ihr Fach und ist ein Beispiel für den wissenschaftlichen Nachwuchs, unbeirrt seinen Weg zu verfolgen.

Die Preisverleihung findet mit einem Festakt während der Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft am 13. September 2014 in Göttingen statt.

http://www.dzg-2014.de/


Übersicht der bisherigen Preisträger von 1980 - 2012.

© 01.09.2014 Deutsche Zoologische Gesellschaft e.V., DZG