Wissenschaftspreis der DZG

Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille 2016 geht an den Evolutionsbiologen Diethard Tautz

Die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille ist der bedeutendste Wissenschaftspreis der Zoologie im deutschsprachigen Raum. Er wird alle zwei Jahre von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) für herausragende wissenschaftliche Lebenswerke verliehen, die mehrere biologische Disziplinen integrieren und von breiter Bedeutung sind. Der Preis ist mit 10 000,- € dotiert, gestiftet vom Inter-Research Wissenschaftsverlag, Oldendorf / Luhe, der von Prof. Dr. Dr. h.c. Otto Kinne gegründet wurde. Der Preis wird in diesem Jahr zum 18. Mal verliehen, er geht an den Evolutionsbiologen, Molekulargenetiker und Entwicklungsbiologen Prof. Dr. Diethard Tautz am Max-Planck-Institut in Plön.

Prof. Dr. Diethard Tautz

Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie,
Plön


Die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille ist der bedeutendste Wissenschaftspreis der Zoologie im deutschsprachigen Raum. Er wird alle zwei Jahre von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) für herausragende wissenschaftliche Lebenswerke verliehen, die mehrere biologische Disziplinen integrieren und von breiter Bedeutung sind. Der Preis ist mit 10 000,- € dotiert, gestiftet vom Inter-Research Wissenschaftsverlag, Oldendorf / Luhe, der von Prof. Dr. Dr. h.c. Otto Kinne gegründet wurde. Der Preis wird in diesem Jahr zum 18. Mal verliehen, er geht an den Evolutionsbiologen, Molekulargenetiker und Entwicklungsbiologen Prof. Dr. Diethard Tautz am Max-Planck-Institut in Plön.

Diethard Tautz studierte Biologie in Frankfurt a. Main und Tübingen (1976-1981). Als Doktorand von Manfred Renz arbeitete er am MPI Tübingen und EMBL Heidelberg. Nach der Promotion (1983) wechselte er als PostDoc zunächst zu Gabriel Dover ans Department of Genetics Cambridge (UK, 1983-195) und später zu Herbert Jäckle ans MPI für Entwicklungsbiologie Tübingen (1985-1988). Es folgte die Habilitation in Molekularbiologie in Tübingen (1988) und bald danach ein Wechsel an das Institut für Genetik der LMU München, wo  er von 1988-1990 als Gruppenleiter arbeitete. Nach kurzer Zeit wurde er zum C3-Professor ans Zoologische Institut der LMU München berufen. Dort forschte er von 1991-1998 bis er einen Ruf auf eine C4-Professur an das Institut für Genetik an der Universität zu Köln erhielt (1998-2007). Seit 2007 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön und zugleich Honorarprofessor an der Universität zu Kiel.

Diethard Tautz erhält den Preis für seine breiten Forschungsinteressen im Bereich molekularer Evolution, Entwicklungsbiologie und vergleichender Genomforschung. Bereits in seiner Doktorabeit gelang es ihm durch innovative Ansätze eine neue Klasse informativer Abfolgen in Sequenzen zu charakterisieren („simple sequence repeats“; Mikrosatelliten). Diese Entdeckung wurde später patentiert und ist bis heute Standardmethode für genetische Untersuchungen (genetischer Fingerabdruck) sowie in der Populationsgenetik. In seiner PostDoc Zeit entwickelte er die "whole-mount" in situ Hybridisierung für die Analyse von räumlich-zeitlicher Genexpression in Embryonen, eine Methode, die sich ebenfalls als Standard etablierte. Seine Forschungen zur Evolution von Segmentierungsprozessen bei Modellorganismen (Drosophila und Tribolium) führten zur Disziplin der „evolutionären Entwicklungsbiologie“ (EvoDevo), deren Mitbegründer er ist. Mit diesem Hintergrund an Wissen wandte er sich in der Münchner Zeit weiteren Forschungsbereichen zu, wie Populationsgenetik, molekulare Phylogenien und der Entstehung von Arten. So war er der erste, dem es gelang, die enge Verwandtschaft zwischen Krebstieren und Insekten in der Phylogenie der Arthropoden aufzuzeigen. Themen wie sympatrische Speziation bei Cichliden interessierten ihn ebenso, wie die Hybridspeziation bei Koppen, einer anderen Fischgattung. In Köln führten seine Arbeiten zur vergleichenden Genomforschung dann zur Entdeckung, dass neue Gene aus nicht-kodierenden Sequenzen evolvieren können. Sein derzeitiger Forschungsschwerpunkt liegt darin, zu verstehen, wie Anpassungen an neue Umweltbedingungen genetisch gesteuert werden und sich in natürlichen Systemen langfristig in Artengenpools implementieren. Sein Modellsystem hierfür sind Populationen und Unterarten der Hausmaus (Mus musculus).

Für seine herausragenden Forschungsleistungen wurde Diethard Tautz mit einer Reihe von renommierten Preisen ausgezeichnet. 1990 erhielt er den Gerhard Hess Preis der DFG für hervorragende Nachwuchsforscher, 1995 den Philip Morris Forschungspreis für die Entwicklung des genetischen Fingerabdrucks, 1998 den De Snoo - van 't Hoogerhuys Preis für die Arbeiten zur Evolution von Entwicklungsprozessen. Zuletzt erhielt er einen „European Research Council (ERC) advanced grant” (2013 -2018) zum Thema „The role of de novo evolution in the emergence of new genes“. Er engagierte sich zudem als Initiator und Sprecher zweier Schwerpunktprogramme und des SFB 680 "Molecular Basis of evolutionary Innovations" (2005 - 2007). In einer Vielzahl von wissenschaftlichen Fachjournalen fungiert er als Editor. 2007 gründete er zusammen mit Jürgen Heinze die open-access Zeitschrift der DZG „Frontiers in Zoology“ und bildete mit diesem zusammen viele Jahre das „Editor in Chief “ Team. Er selber ist Autor einer Fülle von innovativen Artikeln, die in renommierten Fachzeitschriften erschienen sind und viel Beachtung finden. Neben seinen wissenschaftlichen Aktivitäten engagierte er sich in biologischen Verbänden, so war er Präsident der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (2005-2006) und Präsident des Verbandes Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin in Deutschland, VBIO (2010 -2011). Zudem ist er gewähltes Mitglied der European Molecular Biology Organization, EMBO (seit 2001), der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften (seit 2004), der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit 2008) und wirkte in Gremien der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG mit, wie im Fachkollegium Zoologie (2004 - 2012).

Die Preisverleihung findet mit einem Festakt während der Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft am 16. September 2016 in Kiel statt.

http://www.dzg-meeting.de/

Bitte versäumen Sie nicht, sich diesen Termin freizuhalten und sich zur festlichen Preisverleihung anzumelden!

Übersicht der bisherigen Preisträger von 1980 - 2014.

http://www.dzg-ev.de/de/ehrungen_preise/preise/karl-von-frisch/kvf_preistraeger_alle.php


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