Prof. Dr. Otto von Helversen
(Bildmaterial: privat)


Am 2. März 2009, nur fünf Monate nach seiner Pensionierung, verstarb Prof. Dr. Otto von Helversen an den Folgen einer misslungenen Operation.

Otto von Helversen wurde 1943 in Sofia als Sohn eines Diplomaten geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in München und Wiesbaden. Von 1962 bis 1968 studierte er Biologie und Mathematik an den Universitäten Mainz, Tübingen und Freiburg. In der Diplomarbeit beschäftigte er sich mit theoretischen Überlegungen zum Farbensehen der Honigbiene. Daraus entwickelte sich das vorwiegend experimentell orientierte Promotionsthema, welches er 1970 mit der Dissertation „Zur spektralen Unterschiedsempfindlichkeit der Honigbiene“ abschloss. Nach seiner Promotion arbeitete Otto von Helversen weiter als Assistent in der Arbeitsgruppe von Bernhard Hassenstein; 1978 habilitierte er sich. Von 1979 bis 2008 war er ordentlicher Professor für Zoologie an der Universität Erlangen-Nürnberg.

In der Dissertation kommen bereits die wesentlichen Elemente der wissenschaftlichen Persönlichkeit von Otto von Helversen zum Vorschein. Von der theoretischen Konzeption wie von der experimentellen Durchführung her ist die Arbeit von höchstem Niveau. Sie ist aber auch ein Genuss zu lesen, dank der eleganten Darstellung und klaren Abbildungen, die in viele Lehrbücher Eingang fanden. Otto von Helversen besaß einen scharfen analytischen Verstand, der Schwächen eines Arguments sofort aufdeckte, gepaart mit unermüdlicher Begeisterung für wissenschaftliche Probleme. Die Fähigkeit zur theoretischen Durchdringung und mathematischer Strenge war bei ihm in einzigartiger Weise verbunden mit umfassendem biologischen Wissen und breiter Artenkenntnis. Nur sehr wenige Wissenschaftler decken in ihren Arbeiten eine derartige Breite von Themen ab wie Otto von Helversen. In Vorlesungen und insbesondere auch auf seinen legendären Exkursionen vermittelte Otto von Helversen den Studierenden nicht nur umfangreiche Kenntnisse sondern vor allem auch den Blick auf das Wesentliche und auf große Zusammenhänge. Otto von Helversen hatte einen ganz eigenen Charme und ein besonderes Charisma. Er hat viele junge Wissenschaftler für ihr weiteres Leben geprägt und wirkte mitreißend und berührend durch seine eigene Begeisterung für die Natur. Sein Tod ist ein schmerzlicher Verlust – für seine Freunde, denen er sehr fehlen wird – aber auch für die Wissenschaft, denn seinesgleichen gibt es heute nur noch wenige.


Prof. Bernhard Ronacher, Berlin

(Ein ausführlicher Nachruf erscheint in den Mitteilungen der Deutschen Zoologischen Gesellschaft 2009).

© 25.05.2009 Deutsche Zoologische Gesellschaft e.V., DZG