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Karl Ritter von Frisch Medaille 2008



Karl Ritter von Frisch Medaille 2008 geht an

den Ökophysiologen Gerhard Heldmaier

Die Karl Ritter von Frisch Medaille ist der bedeutendste Wissenschaftspreis der Zoologie im deutschsprachigen Raum. Er wird alle zwei Jahre von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) für herausragende wissenschaftliche Lebenswerke verliehen, die mehrere biologische Disziplinen integrieren und von breiter Bedeutung sind. Der Preis ist mit 10 000,- € dotiert, gestiftet von den Wissenschaftsverlagen Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Springer Berlin-Heidelberg-New York und Thieme Stuttgart-New York. Der diesjährige Preis geht an den Ökophysiologen Gerhard Heldmaier aus Marburg als fünfzehnten Preisträger.

Herr Heldmaier begann seine wissenschaftliche Karriere mit der Promotion bei Prof. Möhres in Tübingen. Es folgten Jahre intensiver Forschung in Cambridge, Gießen und schließlich als wissenschaftlicher Assistent in der Abteilung von Prof. Aschoff am Max-Planck Institut für Verhaltensphysiologie in Erling-Andechs, damals ein Mekka der Chronobiologie. 1976 wurde Herr Heldmaier als Professor (C3) für Stoffwechselphysiologie an den Fachbereich Biologie der Goethe-Universität Frankfurt berufen. Seit 1982 ist er Professor (C4) für Tierphysiologie am Fachbereich Biologie der Philipps-Universität Marburg.

Herr Heldmaier erhält den Preis für seine herausragenden und vielseitigen Untersuchungen zur Thermoregulation, zur jahreszeitlichen Akklimatisation, zum Energiehaushalt, zu hypometabolischen Reaktionen wie täglicher Torpor und Winterschlaf und zur Regulation des Körpergewichts. Diese Arbeiten spannen einen weiten Bogen von einem tiefgreifenden Verständnis physiologischer Mechanismen aus deren Untersuchung im Labor bis hin zum Studium physiologischer Anpassungsprozesse und deren Regulation unter den Bedingungen des natürlichen Lebensraumes. Sein wissenschaftliches Werk verbindet in beispielhafter Weise die Analyse molekularbiologischer und genetischer Grundlagen mit organismischer Biologie. Mit einer Vielzahl an einflussreichen, zum Teil bahnbrechenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Anpassungen von Säugetieren, Reptilien und Vögeln gehört er zu den bedeutendsten Wegbereitern der Ökophysiologie.

Ein besonderes Anliegen war Gerhard Heldmaier stets die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die akademische Lehre. Diesen Aufgaben widmet er sich bis heute mit großem Erfolg in zahlreichen Funktionen und als Autor eines vielbeachteten Lehrbuches der vergleichenden Tierphysiologie.

Neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler und Universitätslehrer wirkte Gerhard Heldmaier maßgeblich und über viele Jahre für die Deutsche Forschungsgemeinschaft als Sprecher eines Sonderforschungsbereiches, als Mitglied im Senat, Hauptausschuss, Bewilligungsausschuss und als Vorsitzender des Fachkollegiums Zoologie, für die DZG als Vorstandsmitglied und Präsident. Seit 2004 ist er Vizepräsident der Philipps-Universität Marburg.

Die Preisverleihung findet mit einem Festakt während der Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft am 21. September 2008 in Jena statt.

© 01.09.2008 Deutsche Zoologische Gesellschaft e.V., DZG