Pressemitteilung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG)

Walther Arndt Preis 2013


Der Walther Arndt Forschungspreis wird für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit über ein zoologisches Thema vergeben. Der Preis der Deutschen Zoologischen Gesellschaft wird im 2-jährigen Turnus vergeben und ist mit 5000 Euro dotiert. Er wird auf der diesjährigen Jahrestagung in München am Sonntag, den 15.9.2013 verliehen.

Preisträgerin 2013

Frau Dr. Sylvia Cremer vom IST Austria (Institute of Science and Technology Austria, Klosterneuburg, Austria) wird für die Erforschung des sozialen Immunsystems bei Ameisen mit dem Walther-Arndt-Preis für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet.

sylvia.cremer<at> ist.ac.at

http://ist.ac.at/research-groups-pages/cremer-group/group-leader/


Sylvia Cremer hat in Erlangen Biologie studiert und 2002 an der Universität Regensburg bei Prof. J. Heinze promoviert. Nach 3-jährigem Postdoc in der Arbeitsgruppe von Prof. J.J. Boomsma an der Universität Kopenhagen und einem Aufenthalt am Wissenschaftskolleg zu Berlin, baute sie in Regensburg eine Arbeitsgruppe auf, und habilitierte sich dort im Jahr 2010. Seit 2010 ist sie Assistenzprofessorin am IST Austria (Institute of Science and Technology Austria) in Klosterneuburg bei Wien.

Sie untersucht die kollektive Krankheitsabwehr in Ameisengesellschaften, also wie sich Ameisen gegenüber kranken Nestgenossen verhalten und wie sie Epidemien in ihren Kolonien verhindern. Zusätzlich zu dem individuellen Immunsystem einzelner Koloniemitglieder haben Ameisen und andere soziale Insekten ein gemeinschaftliches "soziales Immunsystem" evolviert, das es ihnen ermöglicht, gegen das hohe Ansteckungsrisiko in sozialen Gruppen anzukämpfen. Dies beinhaltet Hygieneverhalten wie gegenseitiges Putzen, Anwendung antimikrobieller Substanzen (z.B. Ameisensäure), sowie die Modulation von Interaktionsraten mit den erkrankten Kolonienmitgliedern. Die Arbeitsgruppe von Sylvia Cremer konnte kürzlich zeigen, dass putzende Ameisen nicht nur infektiöse Partikel von der Körperoberfläche befallener Tiere abknabbern, sondern diese auch noch mit ihrem Gift, der antiseptischen Ameisensäure, desinfizieren (Current Biology 2013). Trotzdem stecken sich pflegende Tiere beim Putzen pilzbefallener Nestgenossen häufig bei diesen an, jedoch nur mit Mini-Infektionen, die ihr Immunsystem stimulieren und sie so vor Krankheit schützen (PLoS Biology 2012).

Sylvia Cremer forscht seit 2010 am IST Austria, war Mitglied der Jungen Akademie der Leopoldina und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und ist Mitglied der Jungen Kurie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Ihre Forschung erhielt massgebliche Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG und den Europäischen Forschungsrat (Marie Curie, ERG, ERC). Ihre beiden Töchter unterstützen sie tatkräftig bei der Ameisensuche.

s. auch:
http://www.dzg-ev.de/de/ehrungen_preise/preise/walter_arndt/walter_arndt2013.php
&

http://www.dzg-ev.de/de/ehrungen_preise/preise/walter_arndt/walter_arndt_preis.php

Mit dem Forschungspreis möchte die Deutsche Zoologische Gesellschaft das Gedenken an den Berliner Zoologen Prof. Dr. med. Dr. phil. Walther Arndt wach halten, der aus reichem, fruchtbarem Schaffen heraus kurz vor Kriegsende wegen offener, kritischer Äußerungen von der nationalsozialistischen Justiz zum Tode verurteilt und am 26.06.1944 im Alter von 53 Jahren hingerichtet wurde. Der Preis soll sowohl an den politischen Mut, als auch an die wissenschaftlichen Verdienste von Walther Arndt erinnern.

Walther Arndt ist zum Andenken Ehrenmitglied für die Dauer des Bestehens der Deutschen Zoologischen Gesellschaft.

© 09.09.2013 Deutsche Zoologische Gesellschaft e.V., DZG