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Buchempfehlung:

Wägele, J.W. (Hrsg.):  Höhepunkte der zoologischen Forschung im deutschen Sprachraum.

Festschrift zur 100. Jahresversammlung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft in Köln vom 21. bis 24. September 2007. DZG und Basilisken-Presse Marburg 2007, 357 Seiten, 2 Tabellen, 53 Abbildungen. Preis 16,00 EUR.

Die 100. Jahresversammlung der deutschen Zoologen war nicht nur Anlass für ein Feuerwerk, sondern wurde auch mit einer Festschrift gewürdigt, die ein doppeltes Ziel verfolgen sollte. Einmal sollte der festliche Anlass Grund geben zum Rückblick auf die deutsche Zoologie im 20. Jahrhundert und zur Darstellung besonderer Höhepunkte der Forschung, die durch Mitglieder der DZG oder im Umfeld der DZG erarbeitet wurden, zum anderen sollten aber auch Perspektiven und Ausblicke in die Zukunft in diesem Band nicht fehlen. Die Schilderung der Höhepunkte in der Vergangenheit kann “angehenden Zoologinnen und Zoologen das Fundament veranschaulichen, das von Vorgängern geschaffen wurde, “dass sie motiviert werden, in deren Fußstapfen zu treten”, so der Herausgeber und derzeitige Präsident der DZG im Vorwort.

Der Band enthält 17 Beiträge, in denen die wichtigsten in der DZG vertretenen Fachrichtungen vertreten sind. Zum Auftakt analysieren Johann Wolfgang Wägele und Hans-Joachim Bode die Lehrstuhlentwicklung an deutschen Hochschulen im Bereich Zoologie von 1960 bis jetzt und eruieren den Beitrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu dieser Entwicklung. Alle folgenden Beiträge spiegeln dann die oben erwähnte doppelte Zielsetzung. Wolfgang Maier (Tübingen) schildert die Entwicklung der Zoomorphologie im 20. Jahrhundert, während Stefan Richter (Rostock) in seinem Beitrag “Aufgaben einer evolutionären Morphologie im 21. Jahrhundert” anschaulich darstellt, dass Morphologie auch heute kein antiquiertes Feld, sondern mit der Identifizierung evolutionärer Neuheiten und bei der Aufdeckung kausaler Zusammenhänge zwischen Form und Funktion noch in der modernen Evolutions- und Entwicklungsbiologie entscheidende Aufgaben hat. Auch Systematische Zoologie steht vollkommen zu Unrecht im Ruf, nicht mehr zeitgemäß zu sein, wie Matthias Glaubrecht (Berlin) in seinem brillanten Aufsatz “Die Ordnung des Lebendigen. Zur Geschichte und Zukunft der Zoosystematik in Deutschland” zeigt. Im folgenden Kapitel (“von Darwins Evolutionstheorien zur Synthetischen Theorie”) untersucht Klaus Peter Sauer (Bonn) die Spuren der Auseinandersetzung um die Anerkennung dieser Theorien in den Verhandlungen der DZG und kommt zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass zwar eine ganze Reihe von Mitgliedern noch im ausgehenden 19. und vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentliche und international beachtete Beiträge sowohl zum ursprünglichen Darwinismus als auch zum Synthetischen Darwinismus geleistet haben, diese sich aber kaum in den Verhandlungsbänden widerspiegeln. Es folgt ein Beitrag zur “Zukunft der Evolutionsbiologie” von Nico Michiels (Tübingen). “Wege der entwicklungsbiologischen Forschung” beschreibt Thomas W. Holstein aus Heidelberg. Der Leser findet hier nicht nur viele interessante frühe Details aus dieser Forschungsrichtung und eine Würdigung der davon ausgehenden Impulse, sondern auch gute Fotos von vielen herausragenden Entwicklungsbiologen. Detlev Arendt aus Heidelberg ist Verfasser eines kurzen aber prägnanten Beitrags zu den Perspektiven der Entwicklungsbiologie. In “Perspektiven der Verhaltensbiologie” geben Björn M. Siemers, Elisabeth Kalko und Henrik Brumm (Seewiesen und Ulm) zunächst einen kurzen historischen Rückblick und versuchen dann mit Hilfe einer Datenbankabfrage Trends in den gegenwärtigen verhaltensbiologischen Publikationen aufzuspüren und so eine Standortsbestimmung der aktuellen Forschung vorzunehmen. Einen interessanten Weg zu den Höhepunkten in der Physiologie geht Gerhard Heldmaier (Marburg), indem er alle Nobelpreise für Physiologie oder Medizin, mit denen Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz ausgezeichnet wurden, vorstellt, wobei der Autor natürlich zugibt, dass die Nobelpreise sich “nur als roter Faden für die Geschichte der Physiologie” eignen. “Perspektiven der Zoophysiologie” werden von Michael Menze (Baton Rouge, USA) aufgezeigt. Gerhard Neuweiler (Planegg-Martinsried) berichtet über Höhepunkte neurobiologischer Forschung an zoologischen Instituten im deutschsprachigen Raum in diesem Zeitraum. Sein Beitrag “Pioniere der Neurobiologie im 20. Jahrhundert” wählt bewusst nur fünf Forscherpersönlichkeiten aus, um an diesen Beispielen exemplarisch und detailreich die oft verschlungenen Wege dieser Karrieren aufzuzeigen, die in besonderem Grade schule- und stilbildend waren und dadurch der vergleichenden Neurobiologie zu einer bemerkenswerten Blütezeit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verhalfen. Es folgt “Perspektiven der Neurowissenschaft” von Marc Spehr (Bochum). “Höhepunkte der ökologischen Forschung im deutschsprachigen Raum” werden von Matthias Schaefer (Göttingen) aufgezeigt, gefolgt von “Perspektiven ökologischer Forschung” von Stefan Scheu (Darmstadt). Bedeutende Entdeckungen der deutschen Parasitologie schildert anschaulich Heinz Mehlhorn (Düsseldorf)  in seinem gut bebilderten Kapitel “Von Rudolf Leuckart bis heute” und Jes Rust (Bonn) beschließt den Band mit einem Aufsatz zur Entwicklung der Paläontologie in Deutschland während der letzten hundert Jahre.

Obwohl alle Autoren und auch der Herausgeber betonen, dass bei dem begrenzten Umfang des Bandes  und der kurzen Zeitspanne, die zu seiner Vorbereitung zur Verfügung stand, eine erschöpfende Analyse der Entwicklung der Zoologie im letzten Jahrhundert nicht möglich war, ist allen ein eindrucksvoller Überblick gelungen. Die zum Teil sehr ausführlichen Quellen- und Literaturverweise sind hilfreich für jeden, der noch weiter in die Geschichte eines Fachgebietes eindringen will. Viele der Beiträge sind erfreulich lebendig geschrieben – die Lektüre ist dann nicht Arbeit, sondern Vergnügen.

R.A. Steinbrecht, Seewiesen

  

© 01.02.2008 Deutsche Zoologische Gesellschaft e.V., DZG